Lob der Krankheit von Bert Ehgartner



Lob der Krankheit
Warum es gesund ist,
ab und zu krank zu sein
Verlag Lübbe 2008

Das Buch
Leseprobe
Rezensionen
Interview


Das Buch


Was Sie über ein gesundes Immunsystem wissen sollten, Ihnen aber noch kein Arzt gesagt hat.


Anstatt harmlose Infekte und Kinderkrankheiten zuzulassen, versucht die moderne Medizin mit Antibiotika, Fiebersenkern und Impfungen möglichst jedes Risiko von vornherein zu vermeiden. Jedes dieser Arzneimittel greift direkt in die Arbeit des Immunsystems ein, manipuliert und stört es in der Entwicklung. So leben wir heute inmitten einer Epidemie der chronischen Krankheiten, die alle eine gemeinsame Ursache haben: ein aus der Bahn geworfenes Immunsystem.
Perfektes Marketing vonseiten der Pharmaindustrie, ein korruptes Expertenwesen und ignorante Behörden sorgen dafür, dass sich daran so schnell nichts ändert: bis der Idealzustand erreicht ist und wir alle Patienten sind.
Bert Ehgartner zeichnet mit einer Fülle an aufrüttelnden und weitgehend unbekannten Fakten ein düsteres Bild unserer medikalisierten Gesellschaft, in der bereits jede zweite Familie von chronischen Leiden betroffen ist. Gerade die unbedingte Vermeidung harmloser Infekte und ein immer sterileres Lebensumfeld begünstigen diese Entwicklung. Ehgartner hält dem ein „Lob der Krankheit“ entgegen, welches das Immunsystem in einer völlig neuen Funktion vorstellt: Nicht als starren Apparat, sondern als "zweites lernendes Ich des Menschen", das uns vor Infekten und Krebs schützt – wenn wir es lassen.
Wer ab und zu krank ist, bleibt auf lange Sicht gesund. Wir sollten diese kleinen Auszeiten willkommen heißen, so wie alle anderen Bestandteile eines gesunden Lebens: Ernährung, Bewegung, Humor und Liebe. Genau darum geht es in diesem Buch: Um das Selbstbewusstsein, Krankheiten zuzulassen. Ein Selbstbewusstsein, das stetig wächst und das uns gut tut – ein ganzes Leben lang.
Bert Ehgartner plädiert für einen gesünderen Umgang mit Krankheiten und liefert Fakten und Hintergründe, die gerne verschwiegen werden.

Mit einem Glossar der wichtigsten Begriffe rund um das Immunsystem


Leseprobe zu Lob der Krankheit

Das Immunsystem: Unser zweites Ich

So wie in der Biologie allgemein, können wir auch die Entwicklung unseres Immunsystems nur dann richtig verstehen, wenn wir sie im Lichte der evolutionären Entwicklung betrachten. Besonders hilfreich ist hierbei der Blick auf die erstaunlichen Parallelen zum zweiten lernenden System, das uns Menschen ausmacht: unser Gehirn.
Das Gehirn reagiert nicht nur auf Erfahrung, es verlangt Erfahrung. Ein Gehirn, das zuwenig Input bekommt, ist nicht in der Lage, sein Potenzial auszuschöpfen. Beispielsweise haben wir die Fähigkeit zur Sprache schon in unseren Genen angelegt. Um diese Fähigkeit aber auch zu entwickeln, braucht es während der Kindheit unzählige Impulse aus der Umwelt. Liebevoller Kontakt mit den Eltern und ständige Ansprache führen langsam dazu, dass dieser genetisch angelegte Mechanismus sich mit Erfahrung und damit mit Leben füllt. Wenn ein Kind so wie Rudyard Kiplings Dschungelkind Mowgli unter Tieren aufwächst, wird es niemals sein normales Sprachpotenzial ausschöpfen können. Das Gehirn baut auf Erfahrung auf. Die Sehorgane werden gebraucht, um die Fähigkeit des Sehens zu erwerben, Hörorgane sind nötig, um die Fähigkeit zu erwerben, zu hören und das Gehörte auch zu verstehen. Das ist das Prinzip der Selbstorganisation, das Prinzip, dass man etwas besser kann, wenn man es tut. Wir entwickeln unser Gehirn, indem wir es benutzen. Genauer gesagt: wir entwickeln unser Gehirn nur dann, wenn wir es benutzen.
Die Verwendung schafft erst die Fähigkeit weiterer Verwendung, weil jedes Gehirn ein höchst persönliches Set an Synapsenverbindungen aufbaut und individuelle Netzwerke von Neuronen (Gehirnzellen) organisiert, die der persönlichen Erfahrung entsprechen. Das Gehirn besteht aus tausend Milliarden derartiger Neuronen, die untereinander noch einmal tausendmal so viele Verbindungen eingehen. Es gibt also tatsächlich Unmengen von Chancen, hier individuelle Variationen herauszubilden. „Es gibt keine zwei Menschen – identische Zwillinge eingeschlossen – die jemals präzise dieselbe Erfahrung machen und in der Folge dieselbe neurologische Infrastruktur aufbauen würden“, erklärt Irun R. Cohen, Professor für Immunologie am Israelischen Weizmann-Institut. „Das Gehirn ist die Urform der Individualität.“
Cohen bringt dafür das Fantasiebeispiel eines von Wissenschaftlern gezüchteten Basketballteams, das aus fünf Klonen von Michael Jordan besteht, der als bester Basketballspieler aller Zeiten gilt. Dennoch, so Cohen, wären die Fans in der Folge wahrscheinlich sehr enttäuscht. Denn die Klone von Michael Jordan würden alle ihr eigenes Gehirn entwickeln, würden entweder nicht das Talent haben wie das Original oder nicht den Ehrgeiz oder die Trainingsdisziplin und sich möglicherweise nicht einmal für Basketball interessieren. „Die Individualität des Geistes“, so Cohen, „entwickelt sich abhängig von der biologischen Individualität des Gehirns.“
Doch es existiert noch ein anderes biologisches System, das unsere Unverwechselbarkeit, unsere Identität bestimmt: das Immunsystem. Es hat zwar überhaupt nichts im Sinn mit unserem logischen Verständnis, unseren geistigen Vorlieben oder unserer Spiritualität, aber es hat sehr viel zu tun mit unserem molekularen Innenleben. Das Immunsystem ist der Leitstern unserer chemischen Individualität. Es ist ein System, das Parasiten, Bakterien und Viren eliminiert, ein System das fremde Zellen und Gewebe angreift und sogar Tumorzellen zerstört, die aus unserem eigenen Körper wachsen. Es entscheidet, welche Moleküle und welche Zellen bei uns und mit uns wohnen dürfen und schafft damit die molekulare Ordnung jedes einzelnen Menschen, unsere unverwechselbare Eigenständigkeit auf Zellebene.
So wie in unserem Gehirn die Fähigkeit zu sprechen und das Gehörte zu verstehen in den Grundzügen – sozusagen als Hardware – schon angelegt ist, besitzt auch unser Immunsystem ein geerbtes inneres Grundwissen, das sich erst in der konstruktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickeln kann. Zum einen handelt es sich dabei um das Wissen von der mikrobiellen Umwelt, aus der sich das System im Laufe der Evolution entwickelt hat. So wie das Kind die Worte der Mutter instinktiv erwartet und braucht, benötigt das Immunsystem den Kontakt mit diesen Mikroben, um sich entfalten zu können. Und zum anderen gibt es einen angeborenen Mechanismus, um die molekularen Strukturen des eigenen Körpers erkennen zu können. Wenn diese beiden Grundmechanismen gestört werden und sich nicht entfalten können, entstehen daraus die Schwierigkeiten fremd und eigen auseinander zu halten. Und daraus wiederum Allergien beziehungsweise Autoimmunstörungen.
Und genau wie das zentrale Nervensystem ist das Immunsystem ein eigenständiges Individuum. Identische Zwillinge, die mit identischer Erbsubstanz geboren werden, entwickeln verschiedene Immunsysteme, so wie sie verschiedene Gehirne ausbilden. Das Immunsystem jeder einzelnen Person besteht aus der einzigartigen Geschichte des jeweiligen Lebens. Und zwar deshalb, weil das Immunsystem, so wie das Gehirn, durch Erfahrung organisiert und aufgebaut wird.
Das Gehirn und das Immunsystem lassen Individualität auf zwei Arten entstehen: sie helfen uns, uns an das Leben anzupassen und zu überleben, und sie machen gleichzeitig auch Aufzeichnungen darüber, was geschah. Indem sie die Lebenserfahrung jeder Person widerspiegeln, sind die beiden Systeme sozusagen passgenau dieser einzigen Person auf den Leib geschneidert. Wie das Gehirn bewahrt und erhält auch das Immunsystem das Individuum und definiert es damit. Unsere fünf Michael Jordans würden ihre Unterschiede nicht nur in ihren Gedanken, sondern auch in ihren Antikörpern ausdrücken.

Immunität ist jedoch nicht nur ein Segen. Das Immunsystem kann ebenso wie das Gehirn gehörigen Stress verursachen. Das Immunsystem kann uns schützen, sich aber genauso gegen den eigenen Körper wenden und lebenswichtige Organe beschädigen.
Im Guten wie im Schlechten hängt das molekulare Selbst ab vom Verhalten des Immunsystems, so wie das spirituelle, intellektuelle, emotionale und soziale Selbst von der Arbeit des Gehirns abhängt. Um Gesundheit und Krankheit zu verstehen, müssen wir verstehen, wie das Immunsystem seine Freunde und Feinde erkennt und wie es seine Ziele auswählt. Ähnlich wie bei anderen Serviceunternehmen verschwenden wir meist auch an die Immunität keinen Gedanken, solange sie leise ihren Job erledigt und uns beschützt. Wir bemerken das System erst, wenn es versagt. Wenn die transplantierte Niere plötzlich abgestoßen oder ein Tumor nicht abgestoßen wird. Wenn Autoimmunkrankheiten das Leben zu einer Qual machen und Allergien unerträglich werden. Wie sich das Immunsystem verhält, bestimmt nicht nur, wer wir sind, sondern auch, wie wir uns fühlen. Unser Leben hängt davon ab, ob sich unsere Immun-Individualität nach dem tief in der evolutionären Vergangenheit ausgeheckten Plan entfalten kann.
Makrophagen und dendritische Zellen des Immunsystems, die Eindringlinge festhalten und sie später den T-Zellen präsentieren, besitzen eine Unzahl von Rezeptoren für diese Mikroben. Diese Andockstellen sind bereits in ihrem Erbgut angelegt und damit genetische Abbilder der Millionen Jahre andauernden gemeinsamen Vergangenheit. Die Zellen des Immunsystems verlangen also die „Begrüßung“ durch die Mikroben, um überhaupt aktiv zu werden. Erst durch diese Kontaktaufnahme zu Beginn des Lebens aktivieren wichtige Teile unseres Immunsystems die geeigneten Mechanismen für den Umgang mit der Mikrobenwelt. Die Zellen lernen einzuschätzen, wie mit den Mikroben umzugehen ist, welche Partikel harmlos sind und welche Eindringlinge sofort attackiert werden müssen. Diese Unterscheidung ist wichtig und schützt vor Überreaktionen genauso wie vor Untätigkeit. „Wenn das Immunsystem eines Babys in den ersten Lebensmonaten diesen Input, den es erwartet, nicht bekommt, so fehlt ihm die Entscheidungssicherheit“, erklärt der angesehene Londoner Immunologe Graham Rook. „Genau dasselbe passiert, wenn das Sprach- und Sehzentrum des Gehirns nicht die erwarteten Impulse bekommt und sich in der Folge nicht richtig entwickeln kann.“
Einflüsse, die immer schon da waren während unserer Menschheitsentwicklung, werden von unserem inneren System also benötigt, damit es funktioniert. „Die Evolution handelt in solchen Fällen nach der Devise: Wenn Du etwas nicht vermeiden kannst, so nütze es“, drückte dieses Prinzip der französische Nobelpreisträger Jacques Monod aus. „Sie verwandelte den Kontakt mit Keimen in ein lebensnotwendiges Gut.“
Wir haben abertausende Jahre lang aus denselben Wasserlöchern getrunken wie die Tiere. Das Wasser war von Exkrementen verunreinigt, schlammig, voll mit Bakterien. Für die Evolution gab es keinen Grund anzunehmen, dass diese Bedingungen sich jemals ändern würden und wir durch Chlor desinfiziertes, hoch gereinigtes Wasser in Leitungen direkt ins Haus geliefert bekommen. Heute fehlt uns scheinbar der tägliche Dreck. Die Konsequenz daraus kann natürlich nicht die Rückkehr zu einem Lebensstil sein, der die meisten Menschen aufgrund verheerender Lebensumstände nicht älter als dreißig Jahre werden ließ. Doch dieses Wissen trägt vielleicht dazu bei, unsere Gelassenheit zu schulen. „Es geht um eine Neubewertung der Hygiene“, sagt Immunologe Rook, „dass wir es zulassen, wenn das Kind draußen im Dreck spielt und dann reinkommt und sich ein Brötchen nimmt, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Schimpfen Sie nicht, sondern denken Sie dran, dass das tatsächlich gut für das Kind sein kann.“
Aus den Beobachtungen der epidemiologischen Forschung finden wir zahlreiche weitere Belege, die diese These stützen. Eine italienische Studie unter Soldaten zeigte beispielsweise, dass der Kontakt mit schmutzigen Lebensmitteln und der Nachweis einer überstandenen Hepatitis-A-Infektion das Allergierisiko auf ein Drittel schrumpfen ließ. Und auch der Vergleich der Allergieraten von Estland mit dem nahen Finnland demonstriert diesen Zusammenhang eindrucksvoll. Die Einwohner von Estland, das einst zum Ostblock gehörte, hatten nur einen Bruchteil des Allergierisikos ihres reichen Nachbarn. Seit Estland allerdings Mitglied der EU ist, gleichen sich die Raten, so wie bei der innerdeutschen Aufholjagd, dramatisch an. Einer der bedeutendsten Änderungen im Lebensstil betrifft die Hygiene am Lebensmittelsektor. Zu Zeiten des Sowjetsystems wurden die Möhren, das Kraut und die Kartoffeln von den landwirtschaftlichen Kolchosen mit dem Lastwagen direkt auf den Markt geliefert, wo sich dann die Kunden ihr Gemüse, an dem oft noch die Erde klebte, aus den Kisten geklaubt und zu Hause abgewaschen haben. Heute werden viele Lebensmittel aus der EU importiert. Und so wie in Finnland kommen Äpfel, Erdbeeren oder Gurken nun blitzsauber in sterilisierten Behältern daher, luftdicht eingeschweißt in Plastikfolie.



Rezensionen zu Lob der Krankheit

Medizingeschichte im Krimistil
Magazin Spuren, Herbst 2008

Sachbücher sind oft langweilig. Nicht so „Lob der Krankheit“ von Bert Ehgartner. Zeitweilig liest sich dieses Werk wie ein spannendes Stück Medizingeschichte im Krimistil, denn der österreichische Medizinjournalist scheut sich nicht, die unheilige Allianz zwischen Wirtschaft und Politik aufzudecken. Mit Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen, die zum Teil sehr fragwürdig sind, lässt sich eine Menge Geld verdienen.
Bert Ehgartner setzt die Informationen wie Puzzleteile zu einem interessanten neuen Bild zusammen. Er zeigt auf, wie wesentlich es im Umgang mit Krankheiten ist, dass der Körper die Fähigkeit beibehält, mit hohem Fieber auf Infektionen zu reagieren. Der Autor zitiert wenig bekannte unabhängige Studien, um aufzuzeigen, was geschieht, wenn das im Aufbau befindliche Immunsystem eines Kleinkindes nicht richtig lernen kann, eigen von fremd zu unterscheiden. Das kann zu Autoimmunkrankheiten und Allergien führen. Ein spannendes und allgemein verständlich geschriebenes Buch, das viel zu denken gibt.
Colette Grünbaum

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Buchtipp

Wissenschaftlich fundiert und sehr differenziert geht der Autor auf Auswirkungen von Antibiotika, Impfung, die Interessen der Pharmaindustrie und die unzureichende öffentliche Kontrolle in der Arzneimittelzulassung und - überwachung ein. Interessant, leicht lesbar, mit fundierten Quellen im Anhang erschließt sich ein Gebiet, das jede kennt und das doch von Interessen und Vorurteilen dominiert ist. Dem „Lob der Krankheit“ sind sehr viele LeserInnen zu wünschen. Es klärt auf und beruhigt. Diese Gelassenheit ist Gesundheitsförderung und stärkt die Eigenkompetenz.
Sylvia Groth, Frauengesundheitszentrum Graz

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NDR, 4. 10. 2008

Buchtipp

Ein kleiner Schnupfen hier, etwas Husten da sind nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Die meisten Menschen reagieren ähnlich und nehmen eine Kopfschmerztablette oder ein Grippemittel ein. Wenn auch noch Fieber hinzukommt, dann wird auch das mit Medikamenten bekämpft. Der Wiener Medizinjournalist Bert Ehgartner hält dieses Verhalten für gefährlich. In seinem Buch "Lob der Krankheit" erklärt er, warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein.

Kranksein ist manchmal sinnvoll
Nur wenige Menschen gönnen sich den Luxus das Bett zu hüten, wenn sie krank sind. Wer soll dann den wichtigen Auftrag fertig stellen, einkaufen gehen oder die Kinder aus der Kita abholen, fragen sie sich. Doch krank wird man nicht ohne Grund, meint Autor Ehgartner: "Eine Krankheit ist immer etwas, das uns ins Bett zwingen möchte, das uns sagt, dass der Stress jetzt zuviel ist. Eine Krankheit bei einem Erwachsenen hat immer auch den Zweck, wieder ins Gleichgewicht zu finden und Stress und Immunsystem wieder auszugleichen."

Selbstheilung am besten zulassen
Diese Art von "Reparatur" erledigt der Körper normalerweise ganz allein, ohne Medikamente, dafür aber eben mit Fieber. Stören wir den Körper immer wieder bei dieser Arbeit oder lassen es gar nicht dazu kommen, weil das Fieber unterdrückt wird oder Antibiotika die Selbstheilung hemmen, dann kann das schlimme Folgen haben, glaubt Ehgartner: "Irgendwann macht das Immunsystem schlapp und es kann nicht mehr richtig arbeiten. Es kann dann fremd von eigen schlecht unterscheiden. Bei den kleinsten Anlässen reagiert es dann beispielsweise plötzlich mit einem allergischen Schock oder mit Heuschnupfen."

Feldzug gegen Ärzte
Bert Ehgartner führt mit seinem neuen Buch "Lob der Krankheit" einen Feldzug gegen Ärzte und die Pharmaindustrie, wie schon in seinem früher veröffentlichten Buch "Das Medizinkartell". Vor allem spricht er sich gegen viele Impfungen aus, die seiner Meinung nach nur beworben werden, weil Pharmafirmen damit große Profite machen. In diesem Zusammenhang zitiert er den US-Wissenschaftler Tom Jeffersen, zur Wirkung der Grippeimpfung bei Älteren: "Wenn sich ältere Menschen die Hände waschen, und auf diese Art eben Kontakt mit Keimen vermindern, ist das eine wesentlich wirksamere Maßnahme ist, als eine Grippeimpfung."

Argumentation schwer nachprüfbar
Das Buch ist interessant und der Autor belegt seine Meinung auch mit zahlreichen Studien. Allerdings ist seine Argumentation für den Laien manchmal schwer nachzuprüfen. Er lässt kaum ein Thema aus: Es geht um überflüssige Impfungen, falsche und gefährliche Medikamente, den Versuch Kinderkrankheiten auszurotten, ein immer schwächer werdendes Immunsystem und um Geldmacherei auf Kosten der Patienten. Ehgartner rät, sich Krankheiten selbstbewusster zu stellen, sich Zeit für die Gesundung zu nehmen und seinen Arzt sorgfältig auszusuchen.

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Falter, 18. 7. 2008

Lob der Krankheit

Bert Ehgartner kratzt an einigen Grundsätzen unseres Medizinsystems, etwa, dass Krankheiten um jeden Preis eliminiert werden mssen, am besten schon lange bevor sie entstehen. Denn, so seine These, vieles, was die Schulmedizin mit Antibiotika, Cortison oder fiebersenkenden Mitteln bekämpft, macht eigentlich Sinn: Durchgemachte Infekte stärken das Immunsystem, Fieber ist höchst heilsam. Überhaupt seien viele Eingriffe in das System Körper zu punktuell und verschöben das Problem damit nur, etwa bei manchen Impfungen. So traten im Falle der Immunisierung gegen Pneumokokken, Hauptauslöser von Mittelohrentzündungen, bei den geimpften Kindern neue Bakterien als Verursacher auf.
Ehgartner plädiert daher für einen gelasseneren, selbstbewussteren Umgang mit Krankheit - angesichts eines Gesundheitssystems, das er alles andere als rosig beschreibt, nicht gerade einfach. Denn aggressives Marketing und Angst machende Kampagnen von Pharmakonzernen, die in manchen Bereichen die medizinische Forschung und Entscheidungen der Gesundheitspolitik beeinflussen, bewirken, dass die Konsumenten von offenen und ehrlichen Informationen meilenweit entfernt sind. Es braucht daher dringend ein lautes, objektives Sprachrohr, jemanden, der neben den Vor- auch die Nachteile von Impfungen, Vorsorgeprogrammen und Co. kommuniziert, fordert Ehgartner. Einen Schritt in diese Richtung hat er mit seinem Buch unternommen.
Sabina Auckenthaler

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Stuttgarter Zeitung, 13. Mai 2008

Viren stärken den Körper

Ist der Mann noch bei Trost? Der Wiener Medizinjournalist Bert Ehgartner lobt die Krankheit. Ja, der Mann ist bei Trost und er hat ziemlich gute Argumente. Viren und Bakterien, so Ehgartners Credo, sind notwendig: Sie trainieren in jungen Jahren die Körperabwehr und schützen uns so im späteren Leben. Sie halten das Immunsystem davon ab, Allergien und Autoimmunkrankheiten zu entwickeln. Und sie erlauben Erwachsenen, eine Auszeit vom oft stressigen Alltag zu nehmen und zur Ruhe zu kommen. Doch statt nur im Notfall einzuschreiten, rücken wir gegen Krankheiten aller Art generalsstabmäßig zu Felde: mit Impfungen, fiebersenkenden Mitteln, Antibiotika, Hygiene und Vorsorgetests. Ehgartner ist gottlob kein Esoteriker, der all diese Segnungen der Medizin verdammt. Er sagt aber, dass sie zu oft und zu unreflektiert eingesetzt werden. Ehgartner schreibt in einem engagierten und manchmal emotionalen Stil. Auch sympatisiert er mit der anthroposophischen und homöopathischen Medizin, die traditionell zurückhaltend agieren. Man mag also nicht mit jedem Satz und nicht mit jeder Schlussfolgerung einverstanden sein. Doch Ehgartner argumentiert wissenschaftlich: Die knapp 200 Arbeiten, die er zitiert, stammen fast ausschließlich aus der medizinische Fachliteratur. „Lob der Krankheit“ ist deshalb ein unbequemes Buch. Es stellt eigene Ansichten in Frage, die man eigentlich nicht in Frage stellen möchte. Aber es hilft nichts: Ehgartner zu widersprechen, fällt schwer. Ihn zu widerlegen, ist unmöglich.
ChW

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Ärzte Woche, 22. Jahrgang Nr. 21, 2008

Ein Loblied der Krankheit
Sich hin und wieder zu infizieren könnte mehr gute Seiten haben, als allgemein angenommen wird.

Jede zweite Familie ist von chronischen Krankheiten betroffen. Dass die hygienischen Umweltbedingungen und der Medizinbetrieb selbst dazu beitragen, chronische Krankheiten zu fördern, erklärt Buchautor Bert Ehgartner in seinem Lob der Krankheit an Hand einer Fülle von Fakten. Das Buch mit dem provokanten Titel rührt an Tabus. Der langjährige Medizinjournalist Bert Ehgartner hat die Idee, etwas über die positiven Seiten von Infektionskrankheiten für die Gesundheit des Menschen zu schreiben, mehr als zehn Jahre lang reifen lassen. Ehgartner, der sich mit Vorliebe der Lektüre medizinischer Studien hingibt und diese nicht nur mit wachem Interesse, sondern auch mit geschultem Blick zu lesen weiß, sammelte die zunehmend häufigen Hinweise über unerwünschte Wirkungen von Impfungen, Antibiotika und der „über-hygienisierten“ Umwelt. Und er stellte sich die Frage: „Könnte Krankheit sinnvoll sein?“

Was schwach macht
Als Antwort zeichnet der Autor Stück für Stück ein Bild davon, was des Menschen Immunsystem langfristig schwächt: übertriebene Hygiene und „altbewährte“ medizinische Interventionen – Antibiotika, Kortison, Medikamente zur Fiebersenkung und vorbeugende Impfungen. Er argumentiert – an Hand von Studien und Gesprächen mit Experten –, warum viele der gut gemeinten Maßnahmen auf lange Sicht gesehen ungünstige Folgen haben. Wie kann das Immunsystem gesund und fit erhalten, oder, wenn es schwächelt, wieder gestärkt werden? Ehgartner plädiert für mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen: Wenn beispielsweise ein Kind fiebert, dann sei das ein gutes Zeichen – das Immunsystem arbeitet. „Bruder Virus, Schwester Bakterie“, so seine These, sind nicht die zu bekämpfenden Feinde, sondern Teil einer nutzbringenden Symbiose mit dem Menschen. Jeder trägt immerhin eineinhalb Kilo Bakterien an und in sich.
„Viele Ärzte reagieren auf die Erwartungshaltung ihrer Patienten und verschreiben oft Antibiotika, obwohl sie wüssten, dass das in vielen Fällen nicht nötig sei oder sogar schade“, erzählte der Autor bei der Präsentation seines Buchs.Ist es also ein Buch gegen die Ärzte? „Nein“, betonte Ehgartner, „Patienten sollten sich ‚ihren’ Arzt aussuchen, zu dem sie Vertrauen haben und der die Familie über viele Jahre kennt und begleitet. Denn dann können Mediziner ihren Patienten gut vermitteln, dass Nichtstun manchmal besser ist als Tun, und dass das Immunsystem Infektionen besiegen und an der Krankheit wachsen kann.“
Inge Smolek

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Kommentar "impf-report" April 2008

Was Sie über ein gesundes Immunsystem wissen sollten, Ihnen aber noch kein Arzt gesagt hat

Anstatt harmlose Infekte und Kinderkrankheiten zuzulassen, versucht die moderne Medizin mit Antibiotika, Fiebersenkungen und Impfungen möglichst jedes Risiko von vornherein zu vermeiden. Jedes dieser Arzneimittel greift direkt in die Arbeit des Immunsystems ein, manipuliert und stört es in der Entwicklung. So leben wir heute inmitten einer Epidemie der chronischen Krankheiten, die alle eine gemeinsame Ursache haben: ein aus der Bahn geworfenes Immunsystem. Perfektes Marketing vonseiten der Pharmaindustrie, ein korruptes Expertenwesen und ignorante Behörden sorgen dafür, dass sich daran so schnell nichts ändert: bis der Idealzustand erreicht ist und wir alle Patienten sind.

Dies ist ein längst überfälliges Buch, das im Grunde in jeden Haushalt gehört. Bert Ehgartner, einem profunden Kenner der „Medizinszene“, ist zu danken, dass er die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die das geradezu fanatische Unterdrücken von Infektionskrankheiten immer mehr als Sackgasse entlarven, in einer für Laien verständlichen Form zusammengetragen hat.
Dass Ehgartner gleichzeitig weitgehend unkritisch die Masernimpfung propagiert, steht allerdings in einem völligen Widerspruch zu dem Hauptthema des Buches und wird den aufmerksamen Leser irritieren. Doch möglicherweise ist dies ja der Preis, den ein Medizinjournalist heutzutage „zahlen“ muss, um bei einem großen Verlag einen Bestseller positionieren zu können. Denn dass dieser Titel zu einem Bestseller wird, scheint mir absehbar. Ich empfehle dieses Buch, so wie ich empfehle, es mit kritischem Blick zu lesen.


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health-economy vom 4. April 2008

In diesem Monat erscheint das neue Buch des Medizinjournalisten Bert Ehgartner „Lob der Krankheit“, in dem er über die Folgen der Übermedikalisierung unserer Gesellschaft schreibt. Das Immunsystem beschreibt der Experte als zweites lernendes Ich des Menschen, das uns vor Infekten und Krebs schützen kann. Health:economy sprach mit Bert Ehgartner über das Phänomen, dass es gesund ist, ab und zu krank zu sein.

Was ist das Kernthema Ihres Buches?

Ehgartner: Es ging mir dabei vor allem um die Frage, ob Krankheiten auch biologischen Sinn machen, oder ob es sich dabei nur um Exzesse einer grausamen Natur handelt, die man am besten alle ausrotten sollte. Dabei ergab sich für mich im Lauf der Recherche eine faszinierende neue Sichtweise des Immunsystems, das den Kontakt mit Mikroben, Bakterien und Viren regelrecht sucht, um seine lebenslangen Schutzaufgaben erfüllen zu können. Den Ärzten fehlt jedoch dieses Verständnis häufig – und deshalb wird das Immunsystem im Krisenfall ständig von außen mit Hilfe von Antibiotika oder fiebersenkenden Medikamenten overruled. Die immer zahlreicher werdenden Impfungen spielen hier ebenso eine problematische Rolle, weil diese an sich gut gemeinten Manipulationen des Immunsystems auch nach hinten losgehen können. Und so befinden wir uns heute inmitten einer Epidemie von Allergien und Autoimmun-Krankheiten, die alle mit einem aus der Bahn geworfenen Immunsystem zu tun haben.

Zeitgleich mit dem Erscheinen Ihres Buches beginnt wieder die neue Impfsaison für FSME. Für wie sinnvoll erachten sie diese Impfung?

Ehgartner: Die FSME-Impfung wurde in Österreich entwickelt und wir sind mit einer Impfrate von fast 90 Prozent hier unangefochten Weltmeister. Dass sich so viele Leute impfen lassen hat sehr viel mit Schockeffekten in der Werbung – aber sehr wenig mit Wissenschaft zu tun. Wir wissen nämlich fast gar nichts über das Nutzen/Risiko-Profil der Impfung weil dazu kaum Arbeiten veröffentlicht wurden, die eine halbwegs objektive Prüfung erlauben. Auch die Berichterstattung in den Medien erweckt oft den Eindruck, dass es sich dabei nicht um Information, sondern um bezahlte Advertorials handelt.

Außerdem haben die HPV-Impfung und ihre möglichen Folgen gerade für viel Aufsehen und kritische Stimmen gesorgt. Wie stehen Sie zu dieser?

Ehgartner: Das Risiko der HPV-Impfung liegt, so wie bei der FSME-Impfung vor allem im darin enthaltenen Hilfsstofff Aluminium. Das Leichtmetall putscht das Immunsystem auf und fördert damit die Bildung von Antikörpern gegen die Viren. Manchmal geht dabei jedoch offensichtlich etwas schief und das Immunsystem verwechselt sein Ziel. Dadurch können plötzlich Nervenzellen des eigenen Organismus ins Visier geraten. Die Herstellerfirmen der beiden Impfungen haben diesen Effekt verschleiert, indem sie bei ihren großen Studien auch die „Placeboimpfung“ mit Aluminium versetzt haben. Es ist mir ein Rätsel, wie die Behörden das genehmigen konnten. Ich rate vor dieser Impfung ab. Auch deshalb, weil die Wirkung der Impfung jahrzehntelang anhalten müsste, um später tatsächlich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen. Und das ist bei den vorliegenden Daten höchst ungewiss.

Was sehen Sie als Grund für die verstärkte Propagierung von Impfungen seitens der Pharmaindustrie?

Ehgartner: Impfungen bieten den Firmen bereits vorab den Bonus des guten Rufes, der bei anderen Produkten erst mühsam aufgebaut werden muss. Lange Zeit galt das Impfsegment als Groscherlgeschäft, das nebenher mitbetrieben wurde. Seit es jedoch dem US-Konzern Wyeth im Jahr 2001 gelungen ist, eine neue Impfung gegen Pneumokokken zu einem Preis von mehreren hundert Euro auf den Markt zu bringen, und dieses Produkt dann auch noch Blockbuster-Status erreichte, befindet sich die Pharmaindustrie in einem wahren Goldrausch. Nun kommt eine sündteure Impfung nach der anderen auf den Markt und die Branche träumt von jährlichen Umsätzen jenseits der 20 Milliarden-Dollar-Marke.
Das Gespräch führte Ulrike Moschen




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