Die Lebensformel von Bert Ehgartner



Die Lebensformel
Sieben Voraussetzungen für ein
glückliches langes Leben
Verlag Hoffmann & Campe, 2004

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Interview


Das Buch

Gibt es ihn wirklich - den idealen Lebensstil?



Warum gelingt es einigen Menschen, ein glückliches langes Leben zu führen, während andere chronisch krank werden oder früh sterben? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen durchforstete Bert Ehgartner alle beweiskräftigen Langzeitstudien der Medizin und fand heraus, dass die Entscheidung in der Lebensmitte fällt. Menschen, die bis ins hohe Alter ein aktives Leben führen, erfüllen bereits Jahrzehnte davor sieben wichtige Voraussetzungen.

Mit dem eigens für dieses Buch entwickelten großen Lebensformel-Test können Sie schon heute ermitteln, wo Ihre persönlichen Risiken und Stärken liegen. In einem einfach zu realisierenden Sieben-Punkte-Programm hilft Ihnen das Buch, den wissenschaftlich optimierten Lebensstil zu finden, der Sie zu einem genussvollen glücklichen Leben führt.



Leseprobe zu Die Lebensformel

Auf dem Weg zur Lebensformel



Pessimisten sagen: Je älter du wirst,
desto kränker bist du.
Realisten sagen: Je älter du wirst,
desto gesünder hast du gelebt.

Thomas Perls, Altersforscher


Fragt man junge Menschen nach den Zielen ihres Lebens, so nennen sie Erfolg, Wohlstand, ein erfülltes Sexualleben, eine Partnerschaft, die auf Dauer Freude bereitet, und eine Familie, in der alle Mitglieder gesund und glücklich sind. Gedanken an das Alter ergeben sich in dieser überschwänglichen Phase des Aufbruchs nicht oder nur als abstrakte Idee. Erst ab den Dreißigern und Vierzigern, mit den Erfahrungen der ersten körperlichen Rückschläge, wird die »zweite Lebenshälfte« konkreter. Und damit ergeben sich langsam neue Ziele und neue Lebenskonzepte, deren gemeinsame Basis in den meisten Fällen der Wunsch ist: »gesund und glücklich alt zu werden«.

Das Älterwerden als Vertiefen dessen, was im Lauf der Jahrzehnte als persönliche Lebensziele auserkoren wurde, und als würdiges Auskosten des Erreichten. Das Bewahren der Gesundheit steht hier an erster Stelle und ist in den meisten Fällen notwendige Voraussetzung, um dieses Glück dauerhaft zu genießen. Und auch hier ist die Palette wieder mannigfach: Glück kann die als angenehm empfundene Abwesenheit von Unglück sein, ein Gefühl der Zufriedenheit und der materiellen Sicherheit, Geborgenheit in den Ritualen des Alltags, ein Empfinden stiller oder auch lauter ekstatischer Momente, Phasen der intensiven Verbundenheit mit anderen Menschen oder auch Phasen des Stolzes – über die Kinder, den Partner, die eigenen Talente und Erfolge. Es ist dabei überhaupt nicht erforderlich, Glück und seine Erscheinungsformen zu definieren. Diejenigen, die Glück empfinden, wissen es. Und nur das zählt.

Ratschläge – mit Hintergedanken

Wie aber schafft man die bleibende Voraussetzung für Glück, nämlich geistige und körperliche Gesundheit?

An Ratschlägen mangelt es wahrlich nicht. Allerdings werden diese nur höchst selten selbstlos und ohne Hintergedanken verschenkt. Mediziner propagieren Vorsorgetipps und Langzeittherapien, deren (für sie) angenehme Begleiterscheinung es ist, dass sie die eigenen Praxen füllen. PR-Experten der Gesundheitsindustrie versuchen mit enormen Werbebudgets, ihre warnenden Botschaften unters Volk zu bringen. Dafür werden jede Menge Honoratioren angeheuert, die ihr gesamtes fachliches Prestige in die Waagschale werfen, um vor bestimmten Dingen Angst zu machen – sei es nun Osteoporose, hoher Blutdruck, der Cholesterin, der Homocysteinspiegel oder eine mögliche sexuelle Störung.

Wenn die Kampagnen gelingen, werden zahlreiche Dauerabonnements auf brandneue und sündhaft teure Arzneimittel abgeschlossen. Da Patienten mit chronischen Leiden die besten Kunden sind, mangelt es nicht an Versuchen, immer neue Risikofaktoren, ja sogar ganz neue Krankheitsbilder zu präsentieren, die man – zum potenziellen Wohl der Patienten und zum sicheren Wohl der Pharmaindustrie – bis ans Lebensende behandeln kann.

Daneben wuselt ein buntes Häufchen von selbst ernannten Gesundheitsaposteln, die über Ratgeberliteratur, Seminare und Vorträge versuchen, Trends zu kreieren oder zumindest daran mitzunaschen, von der Darmentschlackung bis zum Comeback der Blutegel, von der Vier-Blutgruppen-Diät bis zur Fünf-Elemente-Medizin im Do-it-yourself Schnellkurs. Das eine Mal rückt die strikte Fettvermeidung in den Vordergrund, dann sind es wieder die Phyto-Östrogene, das Laufen, Joggen, Walken oder eine fernöstliche Meditationstechnik.

Und alle zwei Jahre dreht sich der Trend ein wenig in die Gegenrichtung. Wenn wir ausgezehrt sind vor lauter Entschlackung, kommt die Energie-Diät, und wenn wir zu lange unsere Kalorien beim gemütlichen Spazieren im aeroben Bereich verbrannt haben, kommt der Super-Power-Plan, der die wirklichen Erfolge nur jenseits der Belastungsgrenze sieht. Den Beweis für ihre Konzepte bleiben die meisten »Experten« jedoch schuldig.

Die wahren Experten

In diesem Buch wird versucht, den entgegengesetzten Weg zu gehen, indem die Aufarbeitung, Interpretation und Einordnung von tatsächlich bewiesenen Resultaten die Grundlage bilden. Wie aber kann es in diesem Chaos gelingen, gültige Ratschläge von spekulativen zu unterscheiden? Was kann als Entscheidungsgrundlage für die konstruktive Planung der zweiten Lebenshälfte und einen eventuell dringend erforderlichen Kurswechsel im Lebensstil dienen?

Dieses Buch bietet dafür konkrete Richtlinien, die sich an bestimmten Voraussetzungen orientieren: Alle Empfehlungen beruhen auf den Ergebnissen der so genannten Evidenz-Basierten Medizin (EBM), das heißt auf konkreten Beweisen. Für alle Ratschläge gibt es eine wissenschaftliche Basis, die hier auch angeführt werden soll und bei Bedarf im Original nachgelesen werden kann. EBM bedeutet, dass nur Studien zugelassen werden, die nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt worden sind, Kriterien, die es in der Regel ausschließen, dass eine Studie zu einer bestimmten Fragestellung das genaue Gegenteil einer anderen Studie ergibt.

Das Kernthema des Buches bildet die Erforschung von Glück und Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte. Demgemäß ist es besonders interessant, Studien zu Rate zu ziehen, die sich den wahren Experten dieser Frage widmen: nämlich den älteren Menschen. Es gibt in Europa und in den USA mittlerweile eine ganze Reihe von aussagekräftigen Langzeitstudien, die seit mehreren Jahrzehnten ein und dieselbe Personengruppe begleiten – angefangen von der berühmten Framingham-Studie, die seit den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Bürger einer ganzen Stadt wissenschaftlich begleitet und ihre Daten auswertet, bis zur »Berliner Altenstudie«, die die gesundheitliche und soziale Entwicklung von mehr als tausend älteren Hauptstädterinnen und Hauptstädtern dokumentiert.

Mit Hilfe dieser Fülle von Daten wurde nun folgenden Fragen nachgegangen:

  • Was unterscheidet diejenigen, die zu glücklichen alten Menschen werden, von jenen, die früh sterben oder chronisch krank werden und eine geringere Lebensqualität genießen?
  • Wie unterscheidet sich – wenn man in der Datenbank zwanzig, dreißig Jahre zurückgeht – der Lebensstil der Glücklichen von dem der Unglücklichen, die im Alter krank und gebrechlich sind?
  • Welche Faktoren sind es, die hier bereits im mittleren Lebensalter die Weichen in diese oder jene Richtung stellen?

Mit diesem Ansatz ist es der Wissenschaft gelungen, einige wesentliche Voraussetzungen zu destillieren, die für Glück und Gesundheit im Alter ausschlaggebend sind. Die besten Karten hatten Studienteilnehmer, auf die bis zum Erreichen ihres fünfzigsten Lebensjahres folgende Faktoren zutrafen:


1. Sie führten eine stabile partnerschaftliche Beziehung.

2. Sie waren Nichtraucher (geworden) und konsumierten regelmäßig, aber nicht übermäßig Alkohol.

3. Sie bewegten sich gern.

4. Sie hatten kein Übergewicht.

5. Sie führten ein aktives Sozial und Familienleben und waren materiell abgesichert.

6. Sie nahmen wenig oder gar keine Medikamente.

7. Sie waren intellektuell neugierig und selbstbewusst.


All diese Faktoren lassen sich durch gezielte Lebensplanung unmittelbar beeinflussen. Aktivität und Glück im Alter liegen demnach weit weniger in den dunklen Launen des Schicksals oder sind unabwendbar festgeschrieben in den Genen, als von vielen erwartet. Chancen, korrigierend einzugreifen, gibt es noch relativ lange. Bis etwa fünfzig sollte die Lebensplanung dann allerdings so weit umgestellt sein, dass die oben genannten Faktoren zum Tragen kommen. Dann steht dem »erfolgreichen Altern« nichts mehr im Wege.

Methoden und Ziele des Buches

Von einem Medizinjournalisten wird kein Mensch verlangen, eine in einem Studienbericht beschriebene Operation selbst auszuprobieren. Sehr wohl aber kann man verlangen, dass die Studie, in der die Anwendung zweier Methoden verglichen wird, bis ins letzte Detail verstanden wird. Aus all diesen Gründen sollte es für jeden Medizinjournalisten Pflicht sein, zunächst einmal die Grundprinzipien der EBM zu erlernen. Selbst den meisten Ärzten sind jedoch Begriffe wie »absolutes Risiko« oder »relatives Risiko«, »Sensitivität« oder »Spezifizität« von ihrer Universitätsausbildung her keineswegs vertraut. Die Bewertung eines Medikaments oder einer Diagnosemethode kann sich jedoch diametral ändern in Abhängigkeit von der einen oder der anderen Bewertungsmethode. Dass die Firmen gern die für ihr Produkt günstigere Variante wählen, ist klar.

Und wenn es einen guten Chirurgen ausmacht, dass er bei einer Prostataoperation das empfindliche Nervengewebe verschont und damit den Patienten vor dauerhafter Impotenz oder Inkontinenz bewahrt, so ist es die erste Aufgabe eines verantwortungsvollen Medizinjournalismus, sich im Dschungel der Studien-Designs zurechtzufinden und das Publikum/die Verbraucher vor offenkundigen Manipulationen und Fehlinformationen zu bewahren. Mit einer fundierten Ausbildung, ausreichend Erfahrung und dem Rat von Fachexperten, die man im Zweifelsfall zu Rate ziehen kann, ist es dann aber erstaunlich einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Damit ergibt sich nun auch das Rüstzeug, jene Arbeiten aus der Informationsflut zu filtern, die gültige Aussagen für unser Leben und unsere Gesundheit möglich machen. Und eben das ist das Hauptziel des vorliegenden Buches: Ich möchte jene Richtlinien präsentieren, die sich nach Auswertung der qualifiziertesten wissenschaftlichen Arbeiten als Voraussetzungen für ein glückliches langes Leben erwiesen haben.

In diesem Buch wird nicht behandelt, welche Schmerzmittel bei welchen Leiden überlegen sind oder wie sich ein bestimmter Gerinnungshemmer auf das Schlaganfallrisiko auswirkt. In diesem Buch werden auch keine neuen Wundermittel vorgestellt und keine Empfehlungen gegeben, welche der hundert verschiedenen Chemotherapie Mixturen im Ernstfall die besten Chancen bieten. Zu solchen Details fragen Sie bitte weiterhin die Experten der jeweiligen Fachgebiete. Deklariertes Ziel des vorliegenden Buches ist hingegen, jenes Wissen zu vermitteln, das sinnvolle Vorsorge möglich macht. Vorsorge, die nicht von Angstparolen dominiert wird und den potenziellen Patienten von einem Gesundheits-Check zum nächsten hetzt, sondern die es ihm ermöglicht, selbstbewusst und selbstbestimmt die Weichen in Richtung einer günstigen Lebensführung zu stellen.

Es ist mir durchaus bewusst, dass die EBM in ihren großen Vergleichsstudien versucht, die Menschen zu normieren, und dass bestimmte Medikamente, die bei der Mehrzahl der Patienten nichts nützen oder sogar schaden, bei dem einen oder anderen durchaus helfen können. Es ist nicht möglich, Regeln aufzustellen, die für wirklich alle zutreffen und jedem einen Nutzen bringen. Und möglicherweise gilt das sogar bei so unbestritten schädlichen Dingen wie dem Rauchen. Da und dort existiert wahrscheinlich ein »glücklicher Alter« oder eine »schlohweiße Kettenraucherin«, die ohne die »entspannende Wirkung« des Suchtmittels Nikotin an einem Magengeschwür verstorben wäre. Und es kann vorkommen, dass jemand beim Joggen von einem Auto erfasst und überfahren wird. An der grundsätzlichen Wahrheit, dass Rauchen schädlich und Bewegung gesund ist, ändert dies jedoch nichts. Und so ist es sehr wohl möglich, jene Voraussetzungen zu bestimmen, die 99 Prozent der Menschen gut tun. Zum Glück sind diese allgemein gültigen Richtlinien gar nicht so zahlreich, und es ist möglich, hier einen Überblick zu gewinnen.

Das Schöne und auch das Überraschende an den Ergebnissen war für mich, dass es zu einem großen Teil in unserer Hand liegt, diese Weichen zu stellen. Es liegt nicht allein in den Genen, nicht im Schicksal oder in den finanziellen Möglichkeiten. Es braucht keine Starchirurgen, Wunderdiäten oder High-Tech-Pillen, diese Chancen zu nutzen – bloß den Willen, erwiesenermaßen schädliches Verhalten zu meiden und vorteilhafte Maßnahmen energisch anzugehen.

Forscher, die außergewöhnlich alte Menschen untersuchten, fanden heraus, dass fast alle Hundertjährigen in eine von drei Gruppen passen. Etwa jeder fünfte der Greise gehört zu den »Entwischten«. Das sind jene Glücklichen, die noch nie eine der alterstypischen Degenerationserscheinungen oder chronische Krankheiten hatten. Bei ihnen hat das Schicksal bei der Zusammenstellung der Gene offenbar eine Doppelsechs gewürfelt. Vier von zehn gehören zu den »Verspäteten«, bei denen die Alterswehwehchen erst mit 85 Jahren langsam angefangen haben. Der Rest gehört zur Gruppe der »Überlebenden«. Diese Menschen haben bereits vor dem 65. Geburtstag eine schwere Lebenskrise ausgestanden, Krebs gehabt oder einen Herzinfarkt überlebt.

Aus den genaueren Befragungen ergibt sich schließlich, dass beinahe die Hälfte dieser Hundertjährigen gar kein besonders gesundes Leben geführt hat. Ihr Geheimnis ist eine robuste Natur und ein unverwüstliches Abwehrsystem, das fast alle Lebenssünden ausglich. Die andere Hälfte jedoch hat irgendwann bewusst oder unbewusst den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und auch etwas dafür zu tun.

Ich selbst bin Anfang vierzig, befinde mich also, wenn alles gut geht, in der Mitte meines Lebens. Ich habe für mich selbst den Wunsch formuliert, diesen Weg noch lange bei möglichst guter geistiger und körperlicher Gesundheit gehen zu können. Und weil der Wunsch der Vater der Tat ist, versuche ich aktiv, diesem Wunsch möglichst gute Begleitumstände zu bieten.

Der Wissensschatz, der sich in den wissenschaftlichen Archiven angesammelt hat, ist beachtlich. Wir müssen nicht alle Fehler selbst machen. Wir können die richtigen Schlüsse ziehen. Und wir können uns dabei helfen lassen.



Rezensionen zu Die Lebensformel



Thomas Garms, Chefredakteur von “Hörzu":

Veränderungen im Leben beginnen meist mit einer gründlichen Revision: Wie fühlt man sich, wo steht man gesundheitlich, wie nah ist man seinen Zielen wirklich gekommen? Gerade im mittleren Alter, wenn man lernen muss, mit den Kräften besser hauszuhalten und nicht mehr jedes Experiment mitmachen mag, entstehen neue Bedürfnisse und Werte. Immer stärker rückt der Wunsch in den Vordergrund, gesund und glücklich alt zu werden. Doch wie die idealen Voraussetzungen schaffen, um das persönliche Potenzial voll auszuschöpfen?
Ausgangspunkt ist die ungeschminkte Bestandsaufnahme der eigenen körperlichen und seelischen Verfassung. Nur wer sich richtig einschätzen kann, merkt, an welchen Punkten Gefahr droht und wo noch alles im Lot ist. Hierfür finden Sie in dieser Ausgabe einen umfangreichen Test. Entwickelt wurde er von dem Autor Bert Ehgartner für sein neues Buch “Die Lebensformel". Ziehen Sie sich in eine ruhige Ecke zurück, nehmen Sie sich Zeit für die Antworten. Die Ergebnisse können eine wertvolle Hilfe sein, um Ihr Leben an den richtigen Stellen zu korrigieren.

Bert Ehgartner im Interview mit der österreichischen Zeitschrift “News"

news: Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben?
Ehgartner: Ich bin selbst mit 42 hoffentlich noch in der Mitte meines Lebens und hatte irgendwann ein ganz normales Interesse daran zu erfahren, was ich denn tun könnte, um mein Leben qualitätsvoll zu verlängern. Ich begann also den aktuellen Stand der Forschung zu recherchieren und das Ergebnis steht jetzt in meinem neuen Buch.

news: Welches sind Ihren Erfahrungen nach die entscheidenden Faktoren, die unser Leben verkürzen bzw. eben verlängern?
Ehgartner: Rauchen, Alkohol, Bewegung, Gewicht, eine gute Beziehung, bestimmte Charaktereigenschaften wie Optimismus und Eigenliebe sowie ein Beruf, der einen befriedigt und den man auch als sinnvoll erachtet. Und es schadet auch nicht, wenn man keinen unmittelbaren Vorgesetzten hat, der einem das Leben schwer macht und Ansehen genießt.

news: Das glaubt jeder, der schon einmal das Gegenteil erlebt hat. Aber im Ernst: Gibts darüber auch wissenschaftliche Untersuchungen?
Ehgartner: Ja, die Whitehall Studie aus England. man hat festgestellt, dass jene Beamten, die einen hohen, unantastbaren Job hatten, am längsten lebten. Je weiter man die Hierarchieleiter hinuntergegangen ist, desto früher starben die Menschen. Und in den USA wurde festgestellt, dass Künstler, die einen Oscar gewonnen haben, durchschnittlich um ein paar Jahre länger gelebt haben als solche, die nur nominiert waren, aber leer ausgegangen sind.

news: Und wann ist jetzt der beste Zeitpunkt, sein Leben umzukrempeln?
Ehgartner: Je früher desto besser. Wer z. B. mit 35 aufhört zu Rauchen hat die Chance, dass er sich später so entwickelt wie ein ewiger Nichtraucher. Aber selbst wenn man erst mit 70 aufhört senkt man sein Gesundheitsrisiko, zum Beispiel bei Operationen, beträchtlich.

Interview mit Bert Ehgartner für “Weltbild"

Die Fragen stellte Avan Sidiq / lorenzspringer medien

Der gebürtige Österreicher ist Wissenschaftsautor und Dokumentarfilmer. Seine Dokumentationen sind mehrfach ausgezeichnet worden. Nach “Bioterror" und “Das Medizinkartell" veröffentlicht Bert Ehgartner jetzt sein drittes Buch “Die Lebensformel - sieben Voraussetzungen für ein glückliches langes Leben".

Was ist das Besondere an “Die Lebensformel"? Was unterscheidet das Buch von anderen Ratgebern?
Ratgeber-Bücher sind häufig recht oberflächlich oder beziehen sich auf persönliche Meinungen des Autors. Ich habe versucht, einen fundierten Überblick zu schaffen und den Lesern seriöse und objektive Informationen zu bieten, die konkreten Nutzwert haben.
Ich wollte die Frage klären, wie sich Menschen, die ein glückliches langes Leben führen, von denen unterscheiden, die chronisch krank werden oder früh sterben. Also begab ich mich in den Archiven der Medizin auf die Suche nach gut durchgeführten beweiskräftigen Langzeitstudien. Und dabei zeigte sich, dass sich die "glücklichen Alten" schon Jahrzehnte davor anders verhalten als die Unglücklichen. Sowohl was ihren Lebensstil betrifft als auch im Umgang mit der Gesellschaft, im Beruf, im Familienleben und in der Partnerschaft.
Die wichtigsten dieser Unterschiede habe ich in der Lebensformel beschrieben. Wer zur Lebensmitte die Weichen in die richtige Richtung stellt, hat die erwiesen besten Chancen, in der zweiten Lebenshälfte die Früchte eines aktiven genussreichen Lebens zu ernten. Dafür sind keine besonderen Entbehrungen nötig oder übermenschliche Kraft-Anstrengungen. Ganz im Gegenteil: Die Freude am Leben ist selbst eine Grund-Voraussetzung.

Welches sind die sieben Voraussetzungen für ein glückliches langes Leben?
Ehgartner: Die besten Voraussetzungen haben jene Menschen, die etwa bis zum 50. Lebensjahr folgende Eigenschaften erfüllen: Sie führen eine stabile Partnerschaft, sind Nichtraucher (geworden), trinken regelmäßig, aber nicht übermäßig Alkohol, sie sind körperlich aktiv, nicht übergewichtig, haben viele Sozialkontakte und sind intellektuell neugierig und selbstbewusst. Außerdem widerstehen sie den vielfältigen Versuchen des Medizinsystems, sie als Patienten anzuwerben.

Wen wollen Sie mit Ihrem Buch ansprechen? Was wollen Sie erreichen?
Ehgartner: Ich stehe selber mit 42 Jahren in der Mitte des Lebens, wenn alles gut geht. Und mit den Erfahrungen der ersten körperlichen Rückschläge wollte ich sehen, wie man dem weiteren Leben sozusagen den besten Nährboden bieten kann, damit das Älterwerden nicht zu einer Kette von Gesundheitstragödien führt.
Als Zielgruppe für mein Buch sehe ich jene Menschen, die so wie ich eine positive Einstellung zu ihrem Leben haben, gerne Kinder begleiten und ihre Enkel wachsen sehen und die einbezahlten Rentenbeiträge auch wieder zurück haben möchten: Also selbstbewusste Persönlichkeiten mit starkem Lebenswillen.

Sie sprechen von Trends in der Medizin, die wie in der Mode- oder Getränkeindustrie kreiert werden. Wie funktioniert das?
Ehgartner: Die Pharmaindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten zum am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweig mit abenteuerlichen Gewinnenspannen entwickelt. Und die besten Kunden sind chronisch kranke Menschen, die bis zu ihrem Lebensende bestimmte Medikamente einnehmen oder Therapien machen. Da werden neue Krankheiten am Reißbrett erschaffen und so wie ein neuer Hollywood-Blockbuster vermarktet, mit gekauften Experten und Zeitungsartikeln, die nur die Aufgabe haben Angst zu verbreiten.
Gesundheitsvorsorge klingt so positiv und wir haben alle noch im Ohr, dass vorsorgen besser als heilen ist. Das stimmt natürlich. Aber viele Vorsorgeangebote sind heute regelrechte Fallstricke, die gesunde Menschen mitten aus dem Leben reißen und unnötig als Kranke abstempeln. Deshalb ist es wichtig, die Mechanismen zu verstehen, mit denen wir vom Medizinkartell umworben werden.

Was würden Sie an unserem derzeitigen Gesundheitssystem ändern?
Ehgartner: Es sollte vor allem mal ein Gesundheitssystem sein und nicht ein System, dass nur an Krankheit verdient und deshalb überall nach Krankheiten sucht, die man behandeln kann.
Eine der wichtigsten und auch überraschendsten Erkenntnisse, die ich bei der Arbeit zum Buch gewonnen habe, ist die Tatsache, dass die Leistungen der Medizin eigentlich verschwindet klein sind, im Vergleich zu dem, was wir selber vermögen. Wer die Prinzipien gesunden Lebens jahrzehntelang missachtet und sich denn von der modernen Medizin Therapien oder Medikamente erwartet, die alles wieder ins Lot bringen, wird unsanft aus einer Illusion erwachen.
Der erste Schritt in eine gute Zukunft ist Selbstreflexion. Dafür habe ich ein Risikoprofil ermittelt, das die persönlichen Stärken und Schwächen spiegelt.





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